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Islam und Wissenschaft
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Der Gewerbepark Spinnhütte, auf dessen Gelände das Deutsch-Islamische Institut seine
Räume hat, veranstaltete im Juni 2002 einen Tag der offenen Tür. Das Institut
beteiligte sich an dieser Aktion mit einer kleinen kulturhistorischen Ausstellung
zum Thema Islam und Wissenschaft und einer Bilderwand zu den Veranstaltungen, die
das Institut in der Vergangenheit durchgeführt hat. Der Besucherandrang überstieg
alle Erwartungen. Vor allem die Dauer der Besuche war erstaunlich. Bei einer Tasse
Tee und Gebäck haben sich einige interessante Gespräche entwickelt. Bis heute ist der Umgang mit dem arabischen Erbe schwierig. Oft wird es ignoriert, dann wird den Arabern nur eine Mittlerrolle zugewiesen, dann wieder wird der schöpferische Beitrag der Muslime zu unserer abendländischen Kultur übertrieben. In diesem Streit geht es nicht darum, ein kohärentes Bild der Geschichte zu malen, sondern um die Suche nach Argumenten zur Ablehnung oder Anerkennung von Kulturen. Dabei haben sich die Kulturen immer gegenseitig durchdrungen: Die Griechen griffen auf das Wissen der Ägypter und Babylonier, also orientalischer Völker zurück. Dabei haben sie aus Regeln allgemeine Lehrsätze geformt, in genialer Intuition das Wesen der Dinge ergründet. Die Araber sind ihrerseits Erben der Griechen. Ihr eigener Beitrag liegt vor allem in der Begründung der experimentellen Forschung. Das Abendland wiederum wurde zum Erbe der Araber. Es übernahm sowohl das von ihnen übermittelte Erbe der Griechen wieder auf, als auch ihre Methode naturwissenschaftlicher Forschung, die für die gewaltige Entwicklung der Naturerkenntnis und -beherrschung des Westens bahnbrechend war (Sigrid Hunke). Auch wenn im Bereich Islam und Wissenschaft noch viel geforscht werden muss, was im Westen vor allem durch den Mangel an Übersetzungen des Quellenmaterials erschwert wird, stellt sich die Frage, wie es zur Blüte in der islamischen Welt kommen konnte, während Europa im finsteren Mittelalter lebte: Nicht Byzanz, reicher Erbe des alten Orients, der gesamten griechischen Kultur und der griechischen Reichssprache, nicht Syrien, das das gleiche Wissensgut wie später die Araber in den Händen hielt, nicht Persien, die Brücke der östlichen und westlichen Hochkulturen, traten die Nachfolge der großen Antike an, sondern ein Volk, das eben erst aus der Wüste aufgebrochen war und seine rasch erklommene kulturelle Weltmachtstellung unbestritten für die Dauer von acht Jahrhunderten einnahm - und damit um viele länger blühte als die Griechen selbst (Sigrid Hunke). Muslime sehen gerne in Koran und Sunna die Ursache für die erstaunliche und schnelle Entwicklung in den Wissenschaften in der islamischen Welt. Tatsächlich taucht das Wort Wissen 292 mal im Koran auf. Immer wieder wird dazu aufgerufen, nach Wissen zu streben. Allerdings bezieht sich Wissen hier vor allem auf das Wissen um Gott als Schöpfer aller Dinge, weniger auf die Naturwissenschaften. Außerdem haben Wissenschaftler ihren Werken oft Rechtfertigungen vorangestellt, die darauf hinweisen, dass es Druck seitens der religiösen Führer gegeben haben muss. Schließlich hat das Erstarken der Orthodoxie einen großen Anteil am Niedergang der islamischen Wissenschaften, der bis heute andauert. Am wichtigsten für die Blüte in der islamischen Welt war wohl das Klima großer Toleranz, das ein fruchtbares Zusammenwirken unterschiedlicher Ethnien und Konfessionen an der Entwicklung der Wissenschaften erst ermöglicht und dann gefördert hat. Es ist für die islamische Welt wichtig zu erkennen, dass wissenschaftlicher Fortschritt ein Klima von Toleranz und kreativer Denkfreiheit voraussetzt, dass Vernunftargumente nicht durch scheinbare Schriftbeweise ersetzt werden können. Zum Glück gibt es, vor allem in den Geisteswissenschaften, Ansätze für eine Rückkehr wissenschaftlicher Neugier in der islamischen Welt. Muslime europäischer oder amerikanischer Herkunft spielen dabei naturgemäß eine besondere Rolle (Murad Hofmann). Nach einer Einführung in das Thema streifte die Ausstellung des DII folgende Themenkreise: Geographie, Stadtkultur (Bibliotheken, Schulen, Universitäten), Medizin, Mathematik und Mechanik, Astronomie, Universalgelehrte (Ibn al-Haitham, al-Biruni, Ibn Sina) und Einfluß der islamischen Wissenschaften auf Europa. |