Veranstaltungen für Frauen
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Ein Hindernis auf dem Weg zu einem befruchtenden Dialog zwischen Islam und Westen ist die zum Teil zu recht, zum Teil zu unrecht als unbefriedigend empfundene Situation von Frauen in Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung. Es ist ein besonderes Anliegen des Deutsch-Islamischen Institutes, darauf hinzuweisen, dass es nicht die Religion Islam ist, die Benachteiligung von Frauen vorschreibt, sondern landesübliche, zum Teil auch stark variierende, patriarchale Traditionen.

Das Deutsch-Islamische Institut wirkt aber auch in der Praxis. Es hat über ein Jahr lang berufliche Frauenförderung durch regelmäßige Spenden an das Unternehmen Frau in Celle unterstützt. Neben der finanziellen Hilfe, fand eine Zusammenarbeit auf kultureller Ebene statt. Dazu gehörten der gemeinsam durchgeführte Kochkurs und eine dreiteilige Vortrags- und Diskussionsreihe zum Thema Frau in Islam und Christentum mit einer christlichen Theologin und einer Islamwissenschaftlerin und Muslima als Referentinnen.
Pressemeldung
Vortrags- und Diskussionsreihe - "Frau in Islam und Christentum"

Dass religiös orientierte Frauen unterschiedlicher Konfessionen aus interreligiösen Gesprächen bereichert herausgehen können, ist die erfreuliche Bilanz einer dreiteiligen Vortrags- und Diskussionsreihe des Deutsch-Islamischen Instituts für Wissenschaftliche und Kulturelle Zusammenarbeit (DII) in Celle.

Unter dem Titel "Frau in Islam und Christentum" hielten an jedem der drei Abende Dr. Sybille Fritsch-Oppermann, Direktorin der Evangelischen Akademie, Mülheim, und Frau Hamideh Mohagheghi, Islamwissenschaftlerin und Vorstandsmitglied von HUDA - Netzwerk muslimischer Frauen, einen Vortrag. Anschließend fand jeweils eine Diskussion statt, die Sabine Heydecke vom DII moderierte.

Am 16.01.2002 stand die Rolle der Frau in der jeweiligen Religion im Mittelpunkt. Die beiden Referentinnen legten dar, welche Rechte der Koran und Christus der Frau zugestanden, wie aber ihre gleichberechtigte Stellung im Laufe der Geschichte der religiösen Gemeinschaften eingeschränkt wurde. Frau Mohagheghi zeigte am Beispiel Iran unter der Herrschaft der Mullahs, dass Frauen unter Berufung auf den Koran selbst an der Verbesserung ihrer Lage arbeiteten und viel erreichen konnten.

Die Veranstaltung am 30.01.2002 handelte von den Rechten der Frau in der Ehe. Die Frage war, welche Rechte stehen der Frau aufgrund religiöser Offenbarung zu, wie ist die Praxis des Miteinanders in der Ehe, unabhängig von den verbrieften Rechten. Während der Koran klare Vorschriften für die Ehe enthält, z.B. einen Ehevertrag vorsieht und der Frau durch die Morgengabe finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit einräumt, geht aus dem Neuen Testament keine konkrete rechtliche Regelung der Beziehungen zwischen Mann und Frau hervor, auf die sich Frauen stützen könnten. Die Annahme, dass die Frau in erster Linie für den Sündenfall verantwortlich ist, führte in der Auslegungsgeschichte des Christentum zur Entmündigung und Unterdrückung der Frau. Die Vorstellung der Romantik von der ewigen großen Liebe tat das ihrige, dass die Ehe in der westlichen Gesellschaft von den an sie herangetragenen Bewertungen überfordert ist. Eine Rückbesinnung auf die von Jesu Worten und Taten bezeugte Hochschätzung der Ehe unterbleibt oft. Aber auch im Orient, wo der Islam zunächst der Frau eine Verbesserung ihrer Lage brachte, setzten sich im Laufe der Jahrhunderte wieder vorislamische, archaische Sitten durch und entmündigten die Frauen.

Der dritte Abend am 13.02.2002 befasste sich mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft. Während Sybille Fritsch-Oppermann verschiedene Richtungen der Frauenemanzipation im Westen aufzeigte, nannte Hamideh Mohagheghi konkrete Beispiele, wie sich Frauen im Iran unter Berufung auf ihre im Koran verbrieften Rechte in der Politik, in Wirtschaft und Wissenschaft viele Rechte erkämpften.

Die überaus harmonischen Gespräche waren dabei nicht darauf ausgerichtet, Unterschiede möglichst auszuklammern, sondern gerade durch die Unterschiede das zu erkennen, was für einen selbst wichtig ist, aber auch zu sehen, wo die eigenen Fehler liegen. Sowohl die Referentinnen als auch die Teilnehmerinnen waren bereit, dies der anderen Seite auch zuzugestehen. So wurde ein konstruktiver Lernprozess in Gang gesetzt.

Hamideh Mohagheghi und Sybille Fritsch-Oppermann haben in ihren Vorträgen den Weg für diese schöne Art der Kommunikation geebnet. Ihre Ausführungen aus weiblicher Sicht, die sicherlich in Teilen der eigenen Religionsgemeinschaft nicht unumstrittenen sind, haben deutlich gemacht, welche Hindernisse die Religionen den Frauen in den Weg legten, sie zeigten aber auch, welche Kraft Frauen aus ihrer Religion schöpfen können, um ihre Lage zu verbessern.

Dass die Befreiung der Frau in Islam und Christentum ein dringendes Anliegen ist, zeigen die im Rahmen dieser Veranstaltung gemeinsam formulierten Wünsche der Frauen:
  • Bildung ist notwendig, um die eigenen Rechte zu kennen und sie gegebenenfalls auch einfordern zu können
  • Frauen müssen sich gegenseitig stützen und unterstützen, denn Selbstbewusstsein ist eine wichtige Voraussetzung in einem gleichberechtigten Dialog der Geschlechter
  • Frauen möchten, dass sie in Gesellschaft und Politik, aber auch in ihren Religionsgemeinschaften nicht nur mitwirken, sondern sie auch mehr als seither mitprägen können. Sie möchten Probleme auf ihre Art lösen und nicht gezwungen sein, sich Nischen zu suchen
  • Die westliche Frau muß lernen, ihre romantischen Vorstellungen von der Ehe mit der Realität in Einklang zu bringen
  • Vertrauen und Offenheit und auch verständnisvolle Kritik sind für das Gespräch miteinander von großer Bedeutung
  • Verschiedene Wege zur Befreiung der Frau sind möglich und sollten unbedingt respektiert werden. Jede Frau muß mutig ihren eigenen Weg zur Gleichberechtigung finden
  • Frauen sollten sich gegenseitig helfen, die jeweils selbst definierte Freiheit durchzusetzen
  • Frauen sollten vorurteilsfrei auf die Schwester aus dem anderen Kulturkreis zugehen und diese trotz ritueller und kultureller Unterschiede ernst nehmen und achten.
Besonders erfreulich war, dass unter dem Publikum sowohl Muslimas als auch Christinnen beider Konfessionen vertreten waren und dass eine Befragung der Teilnehmerinnen am letzten Abend ergab, dass sie alle solche Veranstaltungen für wichtig halten und den Wunsch äußerten, regelmäßig solche Diskussionen zu führen.

Die von den Vertreterinnen des DII selbst empfundene Bereicherung durch diese Veranstaltung und die positive Resonanz der Teilnehmerinnen haben den Entschluss geweckt, Veranstaltungen für Frauen zu einem festen und regelmäßigen Bestandteil der Arbeit des DII zu machen.

Inzwischen findet jeden zweiten Donnerstag im Monat ein christlich-muslimischer Frauengesprächskreis statt.