Kulturprogramm 2001/02
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Herbst/Winter 2001/2002

Neben unseren Aktivitäten mit Unternehmen Frau, die hauptsächlich von Frauen für Frauen waren, haben wir im Rahmen unseres Kulturprogramms auch die Zusammenarbeit mit anderen örtlichen Institutionen gesucht.

Herauszustellen ist an dieser Stelle unser Vorstoß in den Kinos. Innerhalb von nur 2 Monaten liefen drei iranische Spielfilme in Celle:
  1. Im Kino 81/2, einem örtlichen Filmclub, haben wir Kiarostamis Geschmack der Kirsche gezeigt. Unsere Praktikantin hat eine kurze Einführung zum iranischen Film vorgetragen, in der Pause reichten wir Kuchen und Tee und mehrere Mitarbeiter des Institutes standen für Gespräche zur Verfügung.
  2. In den Celler Kammer-Lichtspielen haben wir die Vorführung des Films Der Kreis von Jafar Panahi begleitet. Eine Iranerin stand dem Publikum nach der Vorführung des sehr ergreifenden Films bei einer Tasse Tee Frage und Antwort. Fast alle Zuschauer sind diesem Angebot gefolgt.
  3. Als das Kino 81/2 den ziehmlich aktuellen Film Die Reise nach Kandahar vorgeführt hat, hielt eine Mitarbeiterin des Institutes zur Einleitung einen kurzen Vortrag. Nach einem Essay des Regisseurs Mohsen Makhmalbaf wurde die Situation in Afghanistan thematisiert. Wiederum wurden ein kleiner Imbiss und Tee gereicht, in der Filmpause kam es zu Diskussionen.
Insgesamt ist die Rezeption von Kunstwerken aus einer weitgehend unbekannten Kultur schwierig für das Publikum. Ohne ausreichende Hintergrundinformationen neigen viele Menschen zu einer verzerrten Wahrnehmung. Die Begleitung solcher Aktivitäten halten wir für sehr wichtig. Die besonders kontroverse Debatte in den Kammer-Lichtspielen hat gezeigt, wie wichtig oft das Wissen von Kennern, in diesem Fall einer Iranerin, ist.

Eine für eine Kleinstadt wie Celle wirklich außergewöhnliche Veranstaltung war der Vortrag des ehemaligen deutschen Botschafters in Marokko, Dr. Murad Wilfried Hofmann, anlässlich der Veröffentlichung des Buches Die Mönche von Tibhirine: Märtyrer der Versöhnung zwischen Christen und Moslems von John W. Kiser. Hier fand die Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Buchfink statt.

Das wirklich empfehlenswerte, im Januar im Ansata Verlag erschienene Buch erzählt die wahre Geschichte von sieben französischen Trappistenmönchen, deren Kloster Notre Dame de l'Atlas in Tibhirine ein bekannter Ort der Begegnung und Freundschaft zwischen Muslimen und Christen war. Ihre Ermordung im Jahre 1996 ging durch die ganze europäische Presse. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen schildert der Amerikaner Kiser ihre Lebensgeschichten und sucht nach Erklärungen für das Geschehen. Kisers Buch ist vor allem ein faszinierendes Plädoyer für einen von respektvoller Liebe getragenen Dialog der Religionen und Kulturen, der akzeptiert, dass Gott auf unterschiedliche Weise zu den Menschen spricht. Als Kenner des Landes und einiger im Buch erwähnter Personen, konnte Dr. Hofmann sehr umfassend Fragen aus dem Publikum beantworten.

Ein Vortag über Bestseller - Frauenbiographien wie Nicht ohne meine Tochter - gehörte zu den best besuchten des Herbst-/Winterprogramms. Ziel des Vortrags war es nicht, die Beschreibungen der Autoren zu widerlegen, sondern den Leserinnen und Lesern Kriterien für eine kritische Lektüre anzubieten. Fast jede Besucherin und jeder Besucher kannte eines der besprochenen Bücher. Mehrere standen zudem gerade auf den aktuellen Bestsellerlisten.

Knochen und Milch: Geschlechterbilder im ländlichen Aserbaidschan lautete der Titel eines Vortrages im Mai 2002. Die Ethnologin vom Museum für Völkerkunde in Berlin, Frau Dr. Ingrid Pfluger-Schindelbeck, sprach über die Ergebnisse ihrer eigenen Feldstudien in dem überwiegend islamisch geprägten Land. Frau Dr. Pfluger-Schindelbeck stellte am Beispiel Aserbaidschan exemplarisch dar, dass weder der Koran noch das Patriarchat die prägende Struktur für die Geschlechterbilder liefern. Das Selbstverständnis der Frauen von sich selbst wird sehr stark von einer hinter dem offensichtlich herrschenden Patriarchat bestehenden Ordnung, die sich von der weiblichen Abstammungslinie herleitet, definiert. Frau Dr. Pfluger-Schindelbeck lieferte in ihrem Vortrag, der leider viel zu wenig Resonanz fand, neue, bedenkenswerte Ansätze für die Diskussion um die immer wieder thematisierte Frage der Situation der Frau im Islam.