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Insel der Hoffnung
Von Gunther Jehle - Cellesche Zeitung, 27.08.2001

In Celle tut sich was. Noch gibt es zwar keine Privatuni. Dafür ist seit einem Jahr das Deutsch-Islamische Institut in der Herzogstadt ansässig. Wissenschaft im Sinne der Aufklärung und der Verständigung zwischen Deutschen und Muslimen ist das Anliegen dieser Einrichtung.

Nicht wenige, die das Wort Islam hören, denken dabei erst mal an Terror, fanatische Glaubenskämpfer und die Unterdrückung von Frauen. Das musste auch Hans-Christian Heydecke feststellen, als er in im März vergangenen Jahres in Celle das Deutsch-Islamische Institut (DII) für Wissenschaftliche und Kulturelle Zusammenarbeit gründete. Einer unseren ersten Besucher kam vom Staatsschutz, berichtet der Direktor des DII. Begründung des alles andere als gut getarnten Ermittlers: Sie haben doch das Wort Islam in ihrem Namen. Für Heydecke ein Beweis mehr, wie nötig es ist, Aufklärungsarbeit zu leisten. Aufklärungsarbeit im Sinne der Verständigung zwischen den Kulturen. Denn das hat sich das DII auf die Fahne geschrieben.

Kein Zwang in der Religion
Für Heydecke und seine sieben Mitstreiter - durch die Bank hochkarätige Wissenschaftler aus aller Welt - hat der Islam eine ganz andere Bedeutung: Liebe, Toleranz und Frieden. [...]

Aufklärung ohne zu missionieren
Diese Botschaft möchte Heydecke auch nach außen tragen. Nicht im Sinne einer Mission, bekehren möchte er keinen - wie gesagt Kein Zwang in der Religion - sondern im Sinne eines besseren Zusammenlebens insbesondere zwischen Deutschland und der islamischen Welt und natürlich zwischen deutschen Christen und ausländischen Muslimen im eigenen Land.

Wir bauen dabei auf drei Säulen - Journalisten, Wissenschaftler und Politiker, erklärt der Institutsdirektor die Strategie, die er verfolgt. Sprich die so genannten Meinungsträger in der Gesellschaft sollen für die gute Sache gewonnen werden. Durch Diskussionen, Symposien, die Zusammenarbeit mit Universitäten und den Austausch von Professoren und Studenten und natürlich durch Seminare. [...]

Wissen ist die Basis des Verstehens
Die Forschung ist Programm. Hoffmann: Der Islam muss wissenschaftlich behandelt werden. Denn: Frieden in der Welt setzt gegenseitiges Verstehen und Verständnis voraus. Grundlage dafür ist das Wissen. Im islamischen Glauben ist Wissen mehr als nur Mittel zum Zweck. Es ist eine Geisteshaltung: Im Koran werden die Menschen an mindestens 300 Stellen aufgefordert, ihren Verstand zu gebrauchen, heißt es in der Broschüre, die das DII über sich selbst herausgebracht hat. [...]

Wir ziehen dabei eine ganz klare Grenze zu bestimmten Auslegungen des Korans, bekräftigt Hoffmann. Mit fundamentalistischen Ideen hat das DII nichts am Hut. Man darf sicher nicht das Verhalten einzelner Gläubiger zum Maßstab der Glaubeninhalte ihrer Religion machen, ergänzt Heydecke. Das möchte es auch in Religionsgesprächen in Kirchengemeinden beweisen. Zwei haben schon stattgefunden, in Bergen und Lachendorf, wie Schatzmeister Gert Hartmann berichtet. Er betont die Dringlichkeit, auch etwas zur Integration der in Deutschland lebenden Muslime beitagen zu müssen. Neben den Kontakten, die zum Beispiel bereits mit dem arabischen Frauen-Netzwerk Huda bestehen.

Mit Spaß gegen Vorurteile vorgehen
Dass es mit Seminaren, in die vor allem Studienräte und Reiselustige strömen, allein nicht getan ist, hat das DII schnell festgestellt. Wie bekommt man die, die sich von vornherein nicht so für den Islam interessieren oder sich stark von ihren Vorurteilen leiten lassen, fragt sich auch Hans-Christian Heydecke. Die Antwort heißt Spaß. Spaß gehört dazu, wenn man auch andere Gesichter des Islam sichtbar werden lassen will, sagt seine Tochter Sabine. Die 35-jährige hat im Rahmen der Ferienpassaktion die Veranstaltung Ein Tag leben wie ein Beduine in mehreren Orten des Landkreises mit organisiert. Ganz schön anstrengend sei das gewesen.

Aber die Mühe lohne sich. Das denkt auch Gerd Hartmann. Denn für ihn ist das Institut mehr als eine wissenschaftliche Einrichtung: Es ist eine "Insel der Hoffnung".

Hans-Christian Heydecke: [...] Seit 1986 ist der 69-jährige Muslim. Der Islam kommt mir entgegen. Er ist eine sehr rationale Religion, in der Wissenschaft und Glaube keine Gegensätze sind, sondern sich ergänzen, meint der ehemalige Bankdirektor, der 30 Jahre lang geschäftlich in arabischen Ländern unterwegs war und dort die ersten Kontakte zum Islam hatte. Ein weiterer Vorteil in den Augen von Heydecke: Es gibt keinen Klerus wie in unseren Kirchen.

Gerd Karl-Heinz Hartmann ist einer von zwei Christen im Vorstand des Deutsch-Islamischen Instituts. [...] Der 63-jährige kommt eigentlich aus einer ganz anderen Ecke, er ist Physiker und seit 1965 am Max-Planck-Institut für Aeronomie tätig. [...] Die Mitarbeit am Institut ist für ihn dennoch nichts vollkommen Neues. Ich bin schon seit Jahren im Bereich der interkulturellen Zusammenarbeit tätig, meint Hartmann. Dort hat er auch Heydecke kennen gelernt. Hartmann setzt auf Verständigung. Toleranz muss zur Anerkennung führen.

Abdul-Hadi Christian H. Hoffmann [...] Der 53-Jährige ist 1989 zum Islam übergetreten. [...] Die Erbsünde war es, die er im christlichen Glauben nie akzeptieren konnte. Im Islam gibt es so einen Begriff nicht. [...] Dieser radikale Monotheismus faszimiert mich, gesteht Hoffmann, der auch schon zu einer Pilgerfahrt in Mekka war.